27.10.2020
Von Peter Hecker, Inhaber von HECKER CONSULTINGWas ist Cloud Computing? Definition, IaaS, PaaS und SaaS, Public und Hybrid Cloud, Anbieter, Kosten und Datenschutz verständlich erklärt.

Wer morgens seine Mails in Outlook im Browser liest, im Teams-Meeting ein Dokument gemeinsam bearbeitet und abends eine Serie streamt, hat an diesem Tag schon Dutzende Male Cloud Computing genutzt – ohne einen einzigen Server zu sehen. Genau das ist der Kern der Sache: Die Rechenleistung steht woanders, und Sie nutzen sie über das Internet.
Die kurze Antwort auf die Frage, was Cloud Computing ist: Cloud Computing bedeutet, IT-Ressourcen wie Rechenleistung, Speicher, Datenbanken, Netzwerke und fertige Software bei Bedarf über das Internet zu beziehen, statt sie selbst zu kaufen und zu betreiben – abgerechnet wird meist nach Verbrauch oder im Abonnement. Der Anbieter kümmert sich um Hardware, Strom, Kühlung und Wartung; Sie kümmern sich um das, was Sie damit machen.
Das klingt einfach, und im Prinzip ist es das auch. Die Fragen beginnen danach: Welche Arten von Cloud gibt es? Was ist IaaS, PaaS und SaaS? Ist das billiger als der eigene Server im Keller? Und was ist mit Datenschutz, wenn die Daten bei einem US-Konzern liegen? Die folgenden Abschnitte beantworten diese Folgefragen der Reihe nach.
Woher kommt der Name? Als das Internet noch jung war, zeichneten Netzwerktechniker das unübersichtliche Geflecht aus Telefon- und Datenleitungen in ihren Diagrammen als Wolke. Man musste nicht wissen, was darin passiert – Hauptsache, die Daten kamen an. Diese Idee steckt bis heute im Begriff: „Die Cloud“ ist kein einzelner Ort, sondern ein Netz aus Rechenzentren vieler Anbieter auf der ganzen Welt.
Die gängigste Definition stammt vom US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST). Sie nennt fünf Merkmale, an denen man echtes Cloud Computing erkennt – und an denen man auch Angebote entlarven kann, die nur ein umetikettiertes Hosting sind:
Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Angenommen, ein Steuerberatungsbüro mit 15 Mitarbeitenden betreibt einen eigenen Dateiserver. Fällt im Februar die Festplatte aus, steht das Büro still, bis der IT-Dienstleister kommt. In der Cloud liegen die Dateien redundant in mehreren Rechenzentren; der Ausfall einer Festplatte fällt niemandem auf. Dafür braucht das Büro eine stabile Internetverbindung – und muss sich mit Verträgen und Datenschutz beschäftigen, dazu weiter unten mehr.
Die Cloud ist kein einheitliches Produkt. Je nachdem, wie viel Ihnen der Anbieter abnimmt, unterscheidet man drei Servicemodelle. Ein Vergleich aus dem Alltag hilft: Sie können eine leere Wohnung mieten, eine möblierte Wohnung oder ein Hotelzimmer mit Frühstück. Je mehr Service, desto weniger Arbeit – und desto weniger Gestaltungsfreiheit.
Bei IaaS mieten Sie virtuelle Server, Speicher und Netzwerke. Der Anbieter betreibt Gebäude, Hardware und die Virtualisierungsschicht; Betriebssystem, Datenbanken, Anwendungen und deren Absicherung liegen bei Ihnen. Sie haben damit fast dieselbe Kontrolle wie im eigenen Rechenzentrum, nur ohne Hardwarekauf. Typische Dienste sind Amazon EC2, Azure Virtual Machines oder Google Compute Engine. IaaS ist die leere Wohnung: viel Freiheit, aber Sie müssen selbst einrichten und putzen. Unternehmen nutzen IaaS oft als ersten Schritt, wenn sie bestehende Anwendungen weitgehend unverändert aus dem eigenen Serverraum umziehen („Lift and Shift“).
Bei PaaS stellt der Anbieter eine fertige Umgebung bereit, in der Entwickler Anwendungen bauen, testen und betreiben. Betriebssystem-Updates, Sicherheits-Patches, Datenbank-Backups und Skalierung übernimmt die Plattform. Ihr Team kümmert sich um Code und Daten. Beispiele sind Google App Engine, Azure App Service, verwaltete Datenbanken wie Azure SQL Database oder Amazon RDS und Plattformen für Container. Eine Spielart ist Serverless Computing: Sie laden nur noch einzelne Funktionen hoch, die bei Bedarf starten und pro Aufruf abgerechnet werden. PaaS entspricht der möblierten Wohnung – einziehen und loslegen, aber die Möbel stehen, wo der Vermieter sie hingestellt hat.
SaaS ist das Modell, das die meisten Menschen täglich nutzen, oft ohne es so zu nennen. Sie abonnieren eine fertige Anwendung und greifen über den Browser oder eine App darauf zu. Updates, Betrieb und Verfügbarkeit liegen beim Anbieter. Bekannte Beispiele sind Microsoft 365 (viele Pakete hießen bis April 2020 Office 365), Salesforce, Workday, Zoom oder DATEV-Anwendungen in der Cloud. SaaS ist das Hotelzimmer: kein Aufwand, aber auch kein Einfluss darauf, wann das Frühstück serviert wird. Für Standardaufgaben wie E-Mail, Buchhaltung, CRM oder Personalverwaltung ist SaaS heute für die meisten Unternehmen die naheliegende Wahl.
Wichtig für die Praxis: Die Grenzen verschwimmen. Ein Unternehmen nutzt typischerweise alle drei Modelle gleichzeitig – SaaS für Büroarbeit, PaaS für die eigene Kundenplattform und IaaS für eine ältere Fachanwendung, die sich nicht umbauen lässt.
Neben der Frage, was Sie aus der Cloud beziehen, steht die Frage, wo es läuft und wer die Infrastruktur sonst noch nutzt. Eine Cloud-Strategie muss beide Fragen beantworten.
Die frühere klare Trennung zwischen „öffentlich“ und „privat“ weicht seit einigen Jahren auf. Die großen Anbieter stellen ihre Technik auch im Rechenzentrum des Kunden auf (etwa AWS Outposts oder Azure Local, früher Azure Stack HCI) und bieten dedizierte Bereiche in ihren eigenen Rechenzentren an. Umgekehrt verwalten Werkzeuge wie Azure Arc Server in fremden Clouds und im eigenen Keller über eine Oberfläche. Sinnvoller als „öffentlich oder privat“ ist deshalb oft die Frage: gemeinsam genutzt oder dediziert – und wer hat Zugriff? Wie Sie zwischen den Modellen für ein kleineres Unternehmen konkret abwägen, zeigt der Beitrag Cloud-Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen.
Der Markt für Cloud-Infrastruktur ist stark konzentriert. Drei US-Konzerne prägen ihn:
Im zweiten Quartal 2026 lagen laut Synergy Research Group AWS bei 28 Prozent, Microsoft bei 20 Prozent und Google bei 15 Prozent des weltweiten Marktes für Cloud-Infrastrukturdienste, zusammen also bei fast zwei Dritteln. Zu den kleineren Anbietern zählen Alibaba Cloud (vor allem in Asien), Oracle und IBM. Für Unternehmen in Deutschland haben europäische Anbieter an Bedeutung gewonnen, weil sie nicht dem US-Recht unterliegen: STACKIT, die Cloud der Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland), IONOS aus Montabaur, T Cloud Public der Deutschen Telekom (bis Januar 2026 Open Telekom Cloud) und OVHcloud aus Frankreich. Hinzu kommen „souveräne“ Angebote, bei denen US-Technik von europäischen Gesellschaften betrieben wird – etwa Delos Cloud, eine SAP-Tochter, die Microsoft-Technik für die deutsche Verwaltung bereitstellt, oder die AWS European Sovereign Cloud, die seit Januar 2026 mit einer ersten Region in Brandenburg verfügbar ist.
Meine Einschätzung: Für Standard-Software führt an den großen SaaS-Anbietern selten ein Weg vorbei. Bei Infrastruktur und Plattformen lohnt dagegen der Blick auf europäische Anbieter, sobald personenbezogene Daten in großem Umfang, Geschäftsgeheimnisse oder Vorgaben öffentlicher Auftraggeber im Spiel sind. Die europäischen Clouds bieten weniger Dienste, decken aber das, was die meisten Mittelständler brauchen – virtuelle Server, Speicher, Datenbanken, Kubernetes –, inzwischen solide ab.
Das wichtigste Versprechen der Cloud ist ein Wechsel in der Buchhaltung: Statt hoher Anfangsinvestitionen in Server, die über Jahre abgeschrieben werden (Investitionskosten, englisch CapEx), zahlen Sie laufende Betriebskosten (OpEx). Das schont die Liquidität und macht ein neues Projekt schnell startklar. Ob es auch billiger ist, hängt vom Einzelfall ab.
Die gängigen Preismodelle:
Die typischen Kostenfallen sind bekannt: Server, die nach einem Test weiterlaufen; zu groß gewählte Maschinen; Speicher, der nie aufgeräumt wird; und Gebühren für Datenabfluss (Egress), wenn große Datenmengen die Cloud wieder verlassen. Angenommen, ein Unternehmen zieht eine Anwendung unverändert in die Cloud, die rund um die Uhr unter Volllast läuft – dann ist die Cloud oft teurer als ein gut ausgelasteter eigener Server. Ihren Preisvorteil spielt sie bei wechselnder Last, bei Diensten, die man selbst nur mit viel Personal betreiben könnte, und bei schnellem Wachstum aus. Aus diesem Grund hat sich eine eigene Disziplin herausgebildet: FinOps, die laufende Steuerung von Cloud-Kosten durch IT, Fachbereich und Controlling gemeinsam.
Die ehrliche Antwort: Die Rechenzentren der großen Anbieter sind in aller Regel besser geschützt als der Serverschrank eines Mittelständlers – mit Zutrittskontrolle, Notstrom, eigenen Sicherheitsteams und regelmäßigen Prüfungen. Die meisten Sicherheitsvorfälle in der Cloud entstehen nicht durch geknackte Rechenzentren, sondern durch Fehler beim Kunden: öffentlich erreichbare Speicher, schwache Passwörter ohne Mehr-Faktor-Anmeldung, zu großzügig vergebene Rechte.
Dahinter steht das Modell der geteilten Verantwortung (Shared Responsibility): Der Anbieter sichert die Infrastruktur, Sie sichern alles, was Sie darauf betreiben – Konten, Konfiguration, Daten und Anwendungen. Je weiter Sie von IaaS Richtung SaaS gehen, desto mehr übernimmt der Anbieter; für Benutzerkonten und Daten bleiben Sie immer selbst verantwortlich. Bewährte Grundregeln:
Beim Datenschutz gilt für personenbezogene Daten die DSGVO. Der Cloud-Anbieter ist in der Regel Auftragsverarbeiter, Sie brauchen also einen Vertrag nach Artikel 28 DSGVO. Liegen Daten bei einem US-Anbieter oder kann dieser darauf zugreifen, geht es zusätzlich um die Übermittlung in ein Drittland. Seit Juli 2023 gilt dafür der Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission zum EU-US Data Privacy Framework für zertifizierte US-Unternehmen. Er ist politisch umstritten: Eine Klage dagegen wies das Gericht der EU im September 2025 ab, das Rechtsmittel beim Europäischen Gerichtshof ist noch anhängig. Zudem erlaubt der US CLOUD Act US-Behörden unter bestimmten Bedingungen den Zugriff auf Daten, die US-Firmen kontrollieren – auch wenn diese in Frankfurt gespeichert sind. Daher kommt das Interesse an europäischen und „souveränen“ Angeboten. Eine Orientierung bei der Anbieterauswahl gibt der Kriterienkatalog C5 des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), seit März 2026 in der Fassung C5:2026; viele Anbieter lassen sich danach prüfen. Neu ist außerdem der EU Data Act, der seit September 2025 gilt und den Wechsel zwischen Cloud-Anbietern erleichtern soll. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung – bei sensiblen Daten sollten Sie Datenschutzbeauftragte früh einbinden. Wie Sie Cloud-Umgebungen technisch absichern, ist Inhalt des Seminars Cloud-Sicherheit.
Wie verbreitet die Cloud hierzulande ist, zeigen die Erhebungen des Digitalverbands Bitkom: Nach dem Cloud Report 2026 nutzen 86 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland Cloud-Dienste. Einige öffentlich bekannte Beispiele zeigen die Bandbreite:
Die Frage ist für die meisten Unternehmen nicht mehr, ob sie die Cloud nutzen, sondern wie bewusst. Fast jedes Büro arbeitet bereits mit SaaS-Anwendungen; die eigentliche Entscheidung betrifft die eigenen Fachanwendungen und Daten. Mein Rat: Beginnen Sie nicht mit der Technik, sondern mit einer Bestandsaufnahme. Welche Anwendungen gibt es, welche Daten verarbeiten sie, wie kritisch sind sie? Standardsoftware wandert meist am sinnvollsten als SaaS in die Cloud. Eigene Anwendungen profitieren von PaaS, wenn man sie ohnehin modernisiert. Alte Systeme, die rund um die Uhr gleichmäßig laufen, können im eigenen Rechenzentrum oder bei einem regionalen Dienstleister gut aufgehoben bleiben.
Überschätzt wird der Spareffekt eines reinen Umzugs, unterschätzt werden Rechteverwaltung, Kostenkontrolle und Schulung. Gerade das Know-how entscheidet, ob die Cloud ihre Vorteile ausspielt. Einen strukturierten Einstieg in Begriffe, Modelle und Anbieter bietet das Seminar Cloud Computing.
Cloud-Speicher wie OneDrive, Google Drive oder Dropbox ist nur ein Ausschnitt. Cloud Computing umfasst neben Speicher auch Rechenleistung, Datenbanken, Netzwerke, Entwicklungsplattformen und komplette Anwendungen.
Nein. Das Internet ist das Netz, über das die Daten fließen. Cloud Computing ist ein Betriebsmodell für IT, das dieses Netz nutzt, um Ressourcen aus Rechenzentren bereitzustellen.
Grundsätzlich ja, wenn ein Auftragsverarbeitungsvertrag besteht und eine Rechtsgrundlage für die Drittlandübermittlung vorliegt, etwa der Angemessenheitsbeschluss zum Data Privacy Framework oder Standardvertragsklauseln. Ob das im Einzelfall reicht, hängt von der Art der Daten und der Risikobewertung ab.
Für die meisten Unternehmen SaaS: Büroanwendungen, CRM oder Buchhaltung aus der Cloud bringen schnell spürbare Entlastung, ohne dass eigenes Cloud-Know-how für den Betrieb nötig ist. IaaS und PaaS lohnen sich, wenn eigene Anwendungen betrieben oder entwickelt werden.
Eine Hybrid Cloud verbindet die Public Cloud mit eigener Infrastruktur oder einer Private Cloud. Eine Multi-Cloud nutzt mehrere Public-Cloud-Anbieter nebeneinander. Viele Unternehmen sind beides zugleich.
Wir erweitern ständig unser Beratungsportfolio. Über 600 Beratungsleistungen haben wir für Sie im Programm. Selbstverständlich lassen sich die einzelnen Themen kombinieren. So erhalten Sie genau die Beratung, die Sie wünschen und brauchen.
Mehr IT-, Online-, Digital-Beratungsleistungen anzeigen >>Sie entwerfen Cloud-Architekturen unabhängig vom Anbieter, begründen die Wahl von Cloud-Modell, Dienstschnitt, Datenhaltung und Betriebsmodell und machen Zielkonflikte zwischen Skalierbarkeit, Sicherheit, Kosten und Nachhaltigkeit sichtbar.
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