Business Intelligence (BI): Was ist das? Definition, Bausteine und Einstieg

Wie aus verstreuten Unternehmensdaten verlässliche Kennzahlen werden – mit Werkzeugen, Abgrenzung zu Data Science und einem Einstieg in fünf Schritten

19.12.2019

Business Intelligence (BI) einfach erklärt: Definition, Bausteine von der Datenquelle bis zum Dashboard, gängige Werkzeuge und der Einstieg in fünf Schritten.

Was ist Business Intelligence – und wie fangen Unternehmen damit an?

Montagmorgen, Besprechung der Geschäftsleitung. Der Vertrieb meldet ein Umsatzplus, das Controlling sieht ein Minus, und die Produktion hat wieder andere Zahlen. Alle drei haben recht – jeder hat nur aus einem anderen System, zu einem anderen Stichtag und mit einer anderen Definition von „Umsatz“ gerechnet. Die erste halbe Stunde der Sitzung geht für die Frage drauf, welche Zahl stimmt.

Genau dieses Problem löst Business Intelligence. Die kurze Antwort auf die Frage „BI – was ist das?“ lautet: Business Intelligence (BI) ist das Zusammenführen, Aufbereiten und Darstellen von Unternehmensdaten, damit Menschen auf einer gemeinsamen Zahlenbasis bessere Entscheidungen treffen. Dazu gehören Technik (Datenbanken, Schnittstellen, Auswertungsprogramme), Methoden (Kennzahlen, Berichte, Analysen) und Regeln (wer welche Zahl verantwortet). Am Ende stehen Berichte und Dashboards, die zeigen, was im Unternehmen passiert ist und gerade passiert.

Business Intelligence einfach erklärt: Definition und Ziel

Der Begriff ist älter, als viele denken. Schon in den 1950er-Jahren beschrieb ein IBM-Forscher ein „Business Intelligence System“; populär wurde der Ausdruck ab 1989, als der Analyst Howard Dresner, später lange beim Marktforscher Gartner, ihn als Oberbegriff für Software zur Entscheidungsunterstützung vorschlug. Seitdem hat sich die Technik stark verändert, das Ziel nicht: Daten, die in vielen Systemen verstreut liegen, sollen zu verlässlichen Informationen werden.

BI beantwortet vor allem drei Arten von Fragen:

  • Was ist passiert? Umsatz je Region im letzten Quartal, Reklamationsquote je Produkt, Krankenstand je Abteilung.
  • Warum ist es passiert? Mit dem Aufklappen einer Zahl in ihre Bestandteile (im Fachjargon Drill-down) zeigt sich etwa, dass der Umsatzrückgang aus zwei Großkunden stammt.
  • Was passiert gerade? Aktuelle Auftragseingänge, offene Posten oder der Füllstand eines Lagers, oft täglich oder stündlich aktualisiert.

Fachleute sprechen dabei von deskriptiver Analytik (beschreibend) und diagnostischer Analytik (ursachenforschend). Ein typisches BI-System liefert damit vor allem Kennzahlen, auch KPIs (Key Performance Indicators) genannt, sowie Vergleiche mit Vorjahr, Plan oder Benchmark. Wie man daraus ein übersichtliches Cockpit baut, zeigt der Beitrag KPI-Dashboard erstellen.

Die Bausteine eines BI-Systems: von der Datenquelle bis zum Dashboard

Ein BI-System ist kein einzelnes Programm, sondern eine Kette. Jedes Glied hat eine eigene Aufgabe, und die Kette ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied.

Datenquellen

Am Anfang stehen die Systeme, in denen die tägliche Arbeit stattfindet: das ERP-System (Warenwirtschaft und Buchhaltung, etwa SAP, Microsoft Dynamics 365 oder Mittelstandslösungen wie proALPHA), das CRM für Kundenkontakte, der Webshop, die Zeiterfassung, Maschinensteuerungen – und nicht zuletzt unzählige Excel-Dateien. Hinzu kommen externe Daten wie Wechselkurse, Wetter- oder Marktdaten.

ETL oder ELT: Daten holen und aufbereiten

Die Rohdaten müssen aus diesen Systemen geholt, bereinigt und vereinheitlicht werden. Klassisch heißt das ETL: Extract, Transform, Load – extrahieren, umwandeln, dann laden. Bei ELT werden die Rohdaten zuerst in die Zielplattform geladen und erst dort umgeformt, was mit günstigem Cloud-Speicher und viel Rechenleistung üblich geworden ist. In diesem Schritt passiert die eigentliche Fleißarbeit: doppelte Kunden zusammenführen, Artikelnummern aus zwei Systemen abgleichen, Datumsformate vereinheitlichen. Wer hier tiefer einsteigen will, findet im Seminar Business Intelligence (BI) in der Praxis den Weg von der Quelle bis zum Bericht.

Data Warehouse, Data Lake und Lakehouse

Die aufbereiteten Daten landen in einem zentralen Speicher. Das Data Warehouse ist eine für Auswertungen optimierte Datenbank mit sauber strukturierten Tabellen. Der Data Lake nimmt auch unstrukturierte Daten wie Protokolldateien oder Dokumente in ihrer Rohform auf. Das Lakehouse verbindet beides: günstiger Speicher wie beim Data Lake, darüber Tabellen mit der Ordnung eines Warehouse. Plattformen wie Microsoft Fabric und Databricks setzen auf dieses Prinzip, Snowflake und Google BigQuery unterstützen es inzwischen über das offene Tabellenformat Apache Iceberg. Für ein kleines Unternehmen reicht anfangs oft auch eine gewöhnliche SQL-Datenbank.

Datenmodell

Das Datenmodell beschreibt, wie die Tabellen zusammenhängen: Umsätze (die sogenannten Fakten) werden mit Kunden, Artikeln, Regionen und dem Kalender (den Dimensionen) verknüpft. Bewährt hat sich das Sternschema, bei dem eine Faktentabelle in der Mitte steht und die Dimensionen sternförmig darum liegen. Hier wird auch festgelegt, wie eine Kennzahl berechnet wird – zum Beispiel, ob „Umsatz“ mit oder ohne Gutschriften zählt. Früher sprach man von Datenwürfeln (OLAP-Cubes); heute erledigen das meist die Datenmodelle der BI-Werkzeuge selbst.

Berichte, Dashboards und Self-Service-BI

Die sichtbare Spitze sind Berichte und Dashboards: Tabellen, Diagramme, Ampeln und Filter, die im Browser, in Teams oder auf dem Smartphone erscheinen. Self-Service-BI bedeutet, dass Fachabteilungen eigene Auswertungen bauen, ohne für jede neue Frage die IT einzuschalten. Das funktioniert gut, wenn das Datenmodell zentral gepflegt wird und die Fachabteilungen darauf aufsetzen. Ohne diese gemeinsame Basis entsteht dagegen schnell wieder das Montagsproblem vom Anfang – nur mit schöneren Diagrammen.

Welche BI-Werkzeuge es gibt: Power BI, Tableau, Qlik und andere

Der Markt ist groß, doch einige Namen begegnen Ihnen immer wieder:

  • Microsoft Power BI: im deutschen Mittelstand weit verbreitet, weil es eng mit Excel, Teams und Microsoft 365 zusammenarbeitet. Es ist heute Teil der Datenplattform Microsoft Fabric und hat mit Copilot einen KI-Assistenten, der Berichte entwirft und Fragen in Alltagssprache beantwortet. Copilot setzt allerdings eine bezahlte Fabric-Kapazität (ab F2) oder Power BI Premium voraus, eine Pro-Lizenz allein genügt nicht.
  • Tableau: stark in der visuellen Analyse und bei Datenfachleuten beliebt; gehört seit 2019 zu Salesforce.
  • Qlik Sense: bekannt für seine assoziative Technik, bei der ein Klick auf einen Wert sofort alle verbundenen Daten hervorhebt und zeigt, was nicht dazu passt.
  • SAP Analytics Cloud: naheliegend für Unternehmen, deren Kernprozesse in SAP laufen, auch weil Planung und Reporting dort zusammenkommen.
  • Google Looker und Data Studio (2022 bis 2026 Looker Studio): verbreitet bei Firmen, die stark mit Google-Diensten oder Marketingdaten arbeiten.
  • Open Source: Apache Superset oder Metabase sind in ihren Open-Source-Fassungen kostenlos nutzbar, verlangen aber eigenen Betrieb und mehr technisches Wissen.

Meine Einschätzung: Die Werkzeugwahl wird überschätzt. Die großen Produkte können alle Diagramme zeichnen, Daten filtern und Berichte verteilen. Entscheidend ist, was schon im Haus ist (Microsoft 365, SAP, Google), wer die Lösung betreuen soll und wie gut die Datenbasis ist. Ein Überblick über Werkzeuge und Seminare findet sich im Themenbereich Analytics und Business Intelligence (BI).

BI, Data Analytics und Data Science: wo die Unterschiede liegen

Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Eine grobe Faustregel hilft:

  • Business Intelligence schaut vor allem nach hinten und auf die Gegenwart: Was ist passiert, wo stehen wir? Ergebnis sind standardisierte Kennzahlen, Berichte und Dashboards für viele Nutzer.
  • Data Analytics ist der Oberbegriff für das Auswerten von Daten und schließt BI ein. Gemeint sind oft gezielte Analysen zu einer konkreten Frage, etwa warum Kunden kündigen.
  • Data Science schaut nach vorn: Mit Statistik, maschinellem Lernen und Programmiersprachen wie Python werden Vorhersagen getroffen (prädiktive Analytik) oder Handlungsempfehlungen berechnet (präskriptive Analytik), etwa eine Absatzprognose oder eine optimale Tourenplanung.

In der Praxis verschwimmen die Grenzen. Moderne BI-Werkzeuge bringen einfache Prognosen und KI-Funktionen mit, und Data-Science-Modelle liefern ihre Ergebnisse häufig über ein BI-Dashboard aus. Die Faustregel bleibt trotzdem nützlich: BI schafft die verlässliche Zahlenbasis, auf der weiterführende Analysen aufbauen.

Wer im Unternehmen mit BI arbeitet

BI ist längst kein Spielzeug für Statistiker mehr. Typischerweise gibt es vier Gruppen:

  • Geschäftsleitung und Führungskräfte: Sie brauchen wenige, verlässliche Kennzahlen, um zu steuern – am liebsten auf einen Blick.
  • Gelegenheitsnutzer in den Fachabteilungen: Sie lesen vorbereitete Dashboards, filtern nach Region oder Zeitraum und exportieren bei Bedarf eine Liste.
  • Power-User und Analysten: Sie bauen eigene Berichte, verknüpfen zusätzliche Daten und gehen Auffälligkeiten auf den Grund.
  • IT und Datenteams: Sie betreiben die Plattform, binden Quellen an, kümmern sich um Berechtigungen und Datenschutz.

Neu hinzugekommen ist eine fünfte Rolle, die in kleinen Unternehmen oft dieselbe Person übernimmt: der oder die Datenverantwortliche, die festlegt, wie eine Kennzahl definiert ist und welche Quelle als maßgeblich gilt. Ohne diese Rolle bleibt jedes BI-Projekt ein Technikprojekt.

Einstieg in Business Intelligence in fünf Schritten

Viele BI-Vorhaben scheitern nicht an der Technik, sondern daran, dass sie zu groß anfangen. Ein schrittweiser Einstieg hat sich bewährt:

  1. Mit einer Frage beginnen, nicht mit den Daten. Angenommen, ein Großhändler möchte wissen, welche Kunden seit sechs Monaten weniger bestellen. Diese eine Frage gibt vor, welche Daten gebraucht werden.
  2. Kennzahlen eindeutig definieren. Schriftlich festhalten, wie eine Kennzahl berechnet wird, aus welchem System sie kommt und wer sie verantwortet.
  3. Quellen anbinden und Datenqualität prüfen. Meist zeigt sich hier, dass Stammdaten lückenhaft sind. Das ist kein Scheitern, sondern ein wichtiges Ergebnis.
  4. Einen ersten Bericht bauen und mit den Nutzern testen. Lieber nach vier Wochen ein einfaches Dashboard, das genutzt wird, als nach einem Jahr ein perfektes, das niemand öffnet.
  5. Erweitern, Rollen klären, schulen. Erst wenn der erste Anwendungsfall läuft, kommen weitere Abteilungen, Quellen und Self-Service-Angebote hinzu.

Für den Start genügt oft ein Werkzeug, das ohnehin lizenziert ist. Power BI Desktop ist ein kostenloser Download, mit dem Sie Berichte bauen können; erst das Teilen im Unternehmen erfordert in der Regel Lizenzen wie Power BI Pro oder Premium Per User.

Was BI heute leisten kann – und was nicht

Zwei Entwicklungen verändern BI derzeit spürbar. Erstens die Cloud: Datenplattformen lassen sich mieten statt selbst betreiben, was den Einstieg auch für kleinere Unternehmen erschwinglich macht. Zweitens generative KI: Assistenten wie Copilot in Power BI erstellen auf Zuruf Diagramme, fassen Berichte zusammen oder beantworten Fragen wie „Welche Region ist im September am stärksten gewachsen?“ – offiziell unterstützt Microsoft dabei bislang nur Englisch.

Überschätzt wird dabei, was die KI aus schlechten Daten machen kann. Sind Kundenstämme doppelt angelegt oder Kennzahlen unklar definiert, liefert auch der beste Assistent nur schnell formulierte falsche Antworten. Datenschutz bleibt ebenfalls ein Thema: Sobald personenbezogene Daten im Spiel sind, gelten die Regeln der DSGVO, und bei Auswertungen über Beschäftigte hat in vielen Unternehmen der Betriebsrat mitzureden. Für die meisten Unternehmen lohnt sich BI trotzdem – nicht wegen bunter Diagramme, sondern weil sie endlich mit einer gemeinsamen Zahl arbeiten. Welche Entscheidungen dadurch konkret besser werden und was das kostet, zeigt der Beitrag Der Nutzen von Business Intelligence.

Häufige Fragen zu Business Intelligence

Ist Excel schon Business Intelligence?

Excel ist das meistgenutzte Auswertungswerkzeug überhaupt, und mit Power Query und Power Pivot steckt sogar BI-Technik darin. Zur Business Intelligence wird es aber erst, wenn Daten automatisch aus den Quellen kommen, Kennzahlen einheitlich definiert sind und nicht jede Abteilung ihre eigene Kopie pflegt.

Lohnt sich BI auch für kleine Unternehmen?

Ja, wenn es eine konkrete Frage gibt, die regelmäßig Zeit kostet – etwa das monatliche Zusammenkopieren von Umsatzzahlen. Mit Cloud-Werkzeugen und einem überschaubaren Datenmodell ist ein Einstieg ohne eigene Server möglich.

Wie lange dauert die Einführung?

Ein erster, gut abgegrenzter Anwendungsfall ist oft in wenigen Wochen umsetzbar. Eine unternehmensweite BI-Landschaft mit vielen Quellen ist dagegen ein Vorhaben über Monate und Jahre – und eigentlich nie ganz fertig.

Welche Kenntnisse braucht man für BI?

Für das Lesen von Dashboards genügt Zahlenverständnis. Wer Berichte baut, sollte Grundlagen der Datenmodellierung und eine Abfragesprache wie DAX oder SQL kennen. Wichtiger als jede Technik ist aber das Verständnis für die Geschäftsprozesse, die hinter den Zahlen stehen.

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