10.12.2020
Von Peter Hecker, Inhaber von HECKER CONSULTINGWas Hochleistungsteams ausmacht: psychologische Sicherheit, klare Ziele und Rollen, offene Kommunikation und Feedback – auch im hybriden Arbeitsalltag.

Angenommen, in einem Unternehmen arbeiten zwei Projektteams an ähnlichen Aufgaben. Im ersten sitzen die erfahrensten Fachleute des Hauses. Im zweiten eine bunte Mischung aus alten Hasen und Neulingen. Nach einem Jahr liefert das zweite Team verlässlicher, hat weniger Nacharbeit und kaum Kündigungen. Der Unterschied zeigt sich in einer kleinen Szene: Als im Meeting eine Zahl nicht stimmt, sagt im zweiten Team eine Berufseinsteigerin sofort „Ich glaube, da ist ein Fehler“. Im ersten Team bemerken es zwei Leute – und schweigen.
Das Beispiel ist ausgedacht, aber es beschreibt ziemlich genau, was die Teamforschung seit Jahren findet: Hochleistungsteams entstehen weniger durch die Auswahl der besten Einzelnen als durch die Art, wie ein Team zusammenarbeitet. Und weil Arbeit heute oft in wechselnden Teams, über Abteilungsgrenzen und zwischen Büro und Homeoffice stattfindet, lohnt sich der Blick darauf, was starke Teams brauchen.
Ein Hochleistungsteam erreicht über längere Zeit gute Ergebnisse, lernt aus Fehlern und wird dabei besser, ohne seine Mitglieder zu verschleißen. Es ist nicht das Team mit den meisten Überstunden, nicht das mit der lautesten Präsentation und auch nicht das, in dem alle immer einer Meinung sind. Gerade der letzte Punkt wird oft missverstanden: Starke Teams streiten durchaus, aber über die Sache und mit Respekt.
Für Führungskräfte ist eine Unterscheidung hilfreich. Leistung kommt aus zwei Quellen: aus dem Können der Einzelnen und aus den Bedingungen, unter denen sie zusammenarbeiten. Auf das Können haben Sie über Auswahl und Weiterbildung Einfluss. Die Bedingungen gestalten Sie jeden Tag – mit der Art, wie Sie Ziele erklären, Besprechungen leiten und auf schlechte Nachrichten reagieren.
Die Harvard-Professorin Amy Edmondson hat das Konzept der psychologischen Sicherheit in Teams geprägt; der Begriff selbst stammt aus der Organisationsforschung der 1960er-Jahre. Gemeint ist die gemeinsame Überzeugung in einem Team, dass man zwischenmenschliche Risiken eingehen kann: eine Frage stellen, einen Fehler zugeben, eine ungewöhnliche Idee äußern, ohne bloßgestellt oder bestraft zu werden. Bekannt wurde eine frühe Beobachtung aus Krankenhausteams Mitte der 1990er-Jahre: Die besser geführten Stationen meldeten mehr Medikationsfehler, nicht weniger. Edmondsons Erklärung: Sie machten nicht unbedingt mehr Fehler, sondern sprachen offener darüber – und konnten deshalb daraus lernen.
Wichtig ist, was psychologische Sicherheit nicht bedeutet: Sie heißt nicht, dass alle nett zueinander sind oder Leistung keine Rolle spielt. Edmondson beschreibt das Ideal als Kombination aus hoher Sicherheit und hohen Ansprüchen. Sicherheit ohne Ansprüche führt zu Bequemlichkeit, Ansprüche ohne Sicherheit zu Angst.
Google hat Mitte der 2010er-Jahre in einer internen Untersuchung namens Project Aristotle 180 eigene Teams analysiert, um herauszufinden, was erfolgreiche Teams verbindet. Das Ergebnis überraschte: Wer im Team saß, war weniger wichtig als die Art, wie das Team zusammenarbeitete. Google nannte fünf Faktoren, an erster Stelle die psychologische Sicherheit, danach Verlässlichkeit, Struktur und Klarheit, Sinn der Arbeit und das Gefühl, mit der Arbeit etwas zu bewirken.
Man sollte die Studie nicht überhöhen: Sie betrachtet Teams in einem großen Technologieunternehmen, nicht in einer Stadtverwaltung oder einem Handwerksbetrieb. Ihre Botschaft deckt sich aber mit vielen anderen Untersuchungen, und die sechs Faktoren unten greifen sie auf.
Erfolgreiche Teams arbeiten auf dasselbe Ziel hin, und jedes Mitglied kann es in zwei Sätzen erklären. Das klingt selbstverständlich, ist es aber selten. Ein einfacher Test: Fragen Sie fünf Teammitglieder einzeln, was das Team in diesem Quartal erreichen soll. Kommen fünf verschiedene Antworten, fehlt nicht Motivation, sondern Klarheit.
Wer Ziele und Werte versteht, entscheidet im Alltag auch ohne Rückfrage in ihrem Sinn. Deshalb müssen Führungskräfte das Ziel nicht einmal verkünden, sondern immer wieder erklären – im Kick-off, in Besprechungen und vor allem dann, wenn sich Prioritäten ändern. In verteilten Teams gilt das doppelt, weil der Flurfunk fehlt, der früher vieles nebenbei geklärt hat.
Jedes Teammitglied sollte wissen, wofür es verantwortlich ist und wie seine Arbeit zum gemeinsamen Ziel beiträgt. Wer den eigenen Beitrag erkennt, arbeitet engagierter. Unklare Zuständigkeiten dagegen führen zu zwei typischen Fehlern: Entweder machen zwei Leute dasselbe, oder niemand fühlt sich zuständig.
Klare Rollen heißen nicht starre Grenzen. Auch die Abmachung „Bei Engpässen hilft jeder überall mit“ ist eine klare Regel, solange sie ausgesprochen ist. Ebenso wichtig ist Verlässlichkeit, der zweite Faktor aus Project Aristotle: Zusagen werden eingehalten, und wer es nicht schafft, sagt es rechtzeitig. Wie sich Rollen in agilen Teams verschieben, zeigt der Beitrag zur Rolle des Entwicklungsleiters im Scrum-Team.
Offene Kommunikation bedeutet mehr als viele Besprechungen. Es geht darum, dass Fortschritte, Fragen und Bedenken früh auf den Tisch kommen. Hier zahlt sich psychologische Sicherheit unmittelbar aus: Wer keine Angst hat, als inkompetent zu gelten, meldet ein Problem, solange es noch klein ist.
Führungskräfte prägen das stärker als jede Teamregel. Drei Gewohnheiten helfen:
Wo Konflikte entstehen, gehören sie angesprochen, bevor sie die Zusammenarbeit vergiften. Das lässt sich lernen, etwa im Seminar Effektives Konfliktmanagement für moderne Führungskräfte.
Zugehörigkeit entsteht, wenn sich Menschen mit ihrer Gruppe verbunden fühlen. Die Haltung „Wenn einer gewinnt, gewinnen wir alle“ ermutigt Kollegen, sich gegenseitig zu helfen und die Stärken der Einzelnen zum Wohl des Teams einzusetzen. Gute Beziehungen machen es außerdem leichter, Meinungen zu äußern und sachlich zu streiten – und aus diesem Streit entstehen oft die besseren Lösungen.
Die Kultur scheitert allerdings häufig an den eigenen Anreizen. Werden Boni, Beförderungen und Beurteilungen nur nach Einzelleistung vergeben, lohnt sich Hilfsbereitschaft nicht. Wer Zusammenarbeit will, muss sie sichtbar anerkennen: in Mitarbeitergesprächen, bei Beförderungen und im ganz normalen Lob nach einem gelungenen Projekt.
Die besten Teams suchen ständig nach Möglichkeiten, besser zu werden. Das gelingt nur, wenn Experimente erlaubt sind und ein Fehlschlag nicht als Versagen gilt, sondern als Information. Edmondson unterscheidet dabei sinnvoll zwischen vermeidbaren Fehlern in vertrauten Routineabläufen, Fehlern in komplexen Abläufen und klugen Fehlschlägen bei echten Versuchen. Nur die letzten sind ausdrücklich erwünscht.
Praktisch heißt das: Nach Projekten oder Sprints regelmäßig zurückschauen, ohne Schuldige zu suchen. Drei Fragen genügen oft: Was lief gut? Was hat uns gebremst? Was probieren wir beim nächsten Mal anders? Entscheidend ist, dass aus der Antwort auf die letzte Frage eine konkrete Änderung wird – sonst verkommt der Rückblick zum Ritual.
Feedback hat in starken Teams drei Formen. Erstens konstruktive Rückmeldung, die Entwicklung anstößt. Zweitens Anerkennung für gute Arbeit und für den Beitrag der Einzelnen. Drittens das Messen der Wirkung: Was hat die Arbeit des Teams tatsächlich bewirkt, und muss der Ansatz angepasst werden? Gerade der dritte Punkt entspricht dem Faktor „Wirkung“ aus Project Aristotle – Menschen wollen sehen, dass ihre Arbeit einen Unterschied macht.
Früh heißt: nicht erst im Jahresgespräch. Kurze Rückmeldungen nach einer Präsentation oder einem Kundentermin wirken stärker als eine lange Liste zwölf Monate später. Wie strukturierte Gespräche gelingen, behandelt das Seminar Lösungsorientierte Mitarbeitergespräche im modernen Arbeitsumfeld.
Seit der Pandemie arbeiten viele Teams in Deutschland hybrid: ein Teil im Büro, ein Teil zu Hause, die Anwesenheit wechselt von Tag zu Tag. Die sechs Faktoren gelten weiter, aber einiges, was früher nebenbei geschah, muss jetzt bewusst organisiert werden:
Mehr zur Führung verteilter Teams finden Sie im Seminar Remote-Projektmanagement mit virtuellen Teams.
Über Hochleistungsteams wird viel geschrieben, oft mit dem Unterton, man müsse nur die richtigen Leute finden. Die Forschung zeigt eher das Gegenteil: Die Bedingungen der Zusammenarbeit wiegen schwerer als die Zusammensetzung. Das ist eine gute Nachricht, denn Bedingungen lassen sich ändern, ohne das halbe Team auszutauschen.
Überschätzt werden dagegen Teamevents und Workshops, die einmal im Jahr stattfinden. Sie können helfen, aber Vertrauen entsteht in den vielen kleinen Momenten des Alltags: wie eine Führungskraft auf eine kritische Frage reagiert, ob Zusagen gelten, ob Lob verteilt wird. Meine Empfehlung: Fangen Sie mit einem Faktor an, der in Ihrem Team am schwächsten ist, und ändern Sie dort eine Gewohnheit – etwa, Besprechungen mit „Was übersehen wir?“ zu beenden. Weitere Seminare zu diesem Feld bündelt das Themenfeld Führungs- und Managementfähigkeiten.
Eine feste Zahl gibt es nicht. In der Praxis arbeiten Teams mit etwa fünf bis zehn Personen gut zusammen, weil sich jeder noch mit jedem abstimmen kann. Wächst ein Team deutlich darüber, lohnt es sich, es zu teilen.
Näherungsweise ja. Edmondson hat dafür einen kurzen Fragebogen mit sieben Aussagen entwickelt, die Teammitglieder bewerten – etwa, ob einem ein Fehler im Team nachgetragen wird oder ob man Probleme und heikle Themen ansprechen kann. Wichtiger als die genaue Zahl ist das Gespräch über die Ergebnisse – und die Frage, was sich ändern soll.
Ja, aber es braucht mehr Absicht. Vertrauen wächst in verteilten Teams langsamer, weil Begegnungen nebenbei fehlen. Regelmäßige kurze Abstimmungen, klare schriftliche Absprachen und gelegentliche persönliche Treffen gleichen das weitgehend aus.
Mehr, als man denkt: Fragen stellen, eigene Fehler offen ansprechen, Kollegen für gute Arbeit danken. Solche Gewohnheiten färben ab. Die Rahmenbedingungen – Ziele, Rollen, Anreize – bleiben aber Aufgabe der Führung.
Wir erweitern ständig unser Beratungsportfolio. Über 600 Beratungsleistungen haben wir für Sie im Programm. Selbstverständlich lassen sich die einzelnen Themen kombinieren. So erhalten Sie genau die Beratung, die Sie wünschen und brauchen.
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Sie formulieren überprüfbare Erwartungen, halten Absprachen mit abgestuften Reaktionen nach, setzen Grenzen nach unten wie nach oben und stehen zu Entscheidungen – im Unternehmenskontext vom Schichtbetrieb bis zum Projektteam.
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Sie lernen als Führungskraft, Ihren Bereich vom Ziel her zu denken: Strategieschulen einordnen, Szenarien und Wirkungszusammenhänge durchspielen, eine klare Stoßrichtung formulieren und sie mit OKR und festen Routinen im Alltag umsetzen.
Sie bestimmen, wie weit ein Konflikt im Team eskaliert ist, wählen die passende Intervention, moderieren Klärungsgespräche zwischen Mitarbeitenden – auch per Video – und beugen wiederkehrenden Konflikten durch klare Strukturen vor.
Sie ordnen Ihre Woche als Führungskraft nach Wirkung statt nach Eingangsreihenfolge, delegieren mit klarem Rahmen, steuern Ihre Erreichbarkeit und Belastung und behalten Kommunikation, Werte und eigene Entwicklung im Blick.
Sie verstehen, wie sich Führung in agilen Projekten verändert, geben Entscheidungen gezielt ab, übersetzen Strategie in klare Prioritäten und halten ein selbstorganisiertes Team mit Vision und gemeinsamen Werten auf Kurs.
Aktuelle und interessante Themen und Beiträge für Sie zusammengetragen und aufbereitet.
Herzklopfen vor dem Meeting, Unbehagen beim Small Talk: Soziale Angst kennen auch viele Führungskräfte. Was sie von Lampenfieber unterscheidet, welche Strategien im Alltag helfen und wann professionelle Hilfe sinnvoll ist.